Das neue Ausbildungsjahr ist angelaufen, die Nachvermittlung läuft. Die offiziellen Statistiken, wie viele Verträge neu geschlossen wurden und wie viele Ausbildungsplätze unbesetzt blieben, sind noch in Arbeit. Wie jedes Jahr werden jedoch in zahlreichen Unternehmen einige Ausbildungsplätze frei bleiben, und einige Betriebe werden sogar gänzlich leer ausgehen. 2024 blieben gut 69.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Dabei bietet ein Ausbildungsabschluss nicht nur eine sehr gute Karrierebasis, sondern schützt auch vor Arbeitslosigkeit. Doch wie lässt sich die berufliche Bildung für junge Menschen noch attraktiver gestalten?
Die Lernortkooperation – also die enge Zusammenarbeit zwischen Betrieb, Berufsschule und weiteren Lernorten wie überbetrieblichen Bildungsstätten oder Hochschulen – ist ein Merkmal einer hochwertigen Ausbildung. Sie steigert die Ausbildungsqualität und damit die Attraktivität einer Ausbildung. Denn sie fördert nicht nur die fachliche Ausgestaltung, sondern auch die individuelle Förderung der Auszubildenden. Laut dem Ausbildungsreport der DGB-Jugend 2023 sehen Auszubildende in der Zusammenarbeit der Lernorte allerdings noch Verbesserungsbedarf – besonders in Bezug auf digitale Themen. 28,9 Prozent empfanden die Zusammenarbeit als sehr gut oder gut, 34,4 Prozent als befriedigend, 18,3 Prozent als ausreichend und 18,4 Prozent als mangelhaft. Befragungen im Rahmen des vom BMBF geförderten Projekts Netzwerk Q 4.0, durchgeführt vom Institut der deutschen Wirtschaft, zeigen, dass auch Ausbilderinnen und Ausbilder gern enger mit anderen Lernorten zusammenarbeiten würden. Die meisten Befragten beschrieben ihre Kooperationen jedoch als bislang eher oberflächlich. Einer KOFA-Studie zufolge gab knapp die Hälfte der ausbildenden Unternehmen in einer repräsentativen Befragung an, bei der Lernortkooperation Bedarf an externer Unterstützung zu haben.
Eine Schlüsselrolle spielt die Digitalisierung – sowohl inhaltlich als auch methodisch. Denn einerseits erfordert sie die Integration neuer Technologien in die Ausbildung, und zwar an allen Lernorten. Das gilt insbesondere für Technologien wie Künstliche Intelligenz. Hier braucht es Regeln, die an allen Lernorten gelten: Was sollen Auszubildende ohne KI-Einsatz können? Wofür dürfen sie KI einsetzen? Und wie vermittelt man ihnen einen verantwortungsvollen und kritischen Umgang mit KI-Tools? Je besser sich die Lernorte abstimmen, desto kohärenter und zielführender wird das Ausbildungsgesamtbild für die Azubis.
Andererseits ergeben sich immer neue Möglichkeiten, die Zusammenarbeit der Lernorte durch digitale Tools zu vereinfachen. Lernplattformen beispielsweise sind für Auszubildende eine wertvolle Ressource, um das Gelernte mithilfe von Videos oder interaktiven Lerneinheiten zu vertiefen und zu festigen. Zusätzlich können, je nach konkreter technischer Ausgestaltung, die Ausbilderinnen, Ausbilder und Berufsschullehrkräfte an allen Lernorten sehen, was gerade in Berufsschule, Betrieb, überbetrieblicher Ausbildungsstätte oder auch Hochschule thematisiert wird und so ihrerseits gezielt darauf eingehen. Außerdem bieten viele dieser Plattformen für die Lehrpersonen technische Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu treten. Das schafft Gesprächsanlässe, fördert die Kommunikation und stärkt die Zusammenarbeit.
Trotz der vorhandenen digitalen Möglichkeiten kratzen viele Lernortkooperationen bisher nur an der Oberfläche. Häufig nennen Ausbilderinnen und Ausbilder fehlende Zeit und fehlende Ideen als Hindernisse. Dabei können bereits kleine Schritte viel bewirken – und das Rad muss man auch nicht immer neu erfinden. Es gibt viele Praxisbeispiele und Handreichungen, die wertvolle Inspirationen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit bieten. Einige Beispiele:
Beim diesjährigen Deutschen Ausbildungsleitungskongress wird auch das Lernortkooperation intensiv behandelt: Welche Herausforderungen bestehen, wie steht es heute um die Kooperation, und welche Rolle spielt sie in der Transformation der Ausbildung? Auch Herausforderungen wie die Heterogenität der Auszubildenden und wie man ihnen lernortübergreifend begegnen kann, kommen dabei zur Sprache. Der Kongress bietet die Gelegenheit zum Austausch und zur Diskussion darüber, wie Lernortkooperationen künftig gestaltet und erfolgreich ausgebaut werden können.